Haus Uckermark

Nach umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten durch die Stadt Angermünde konnte das Haus Uckermark, Hoher Steinweg 17/18, im Oktober 2020 wieder eröffnet werden. Damit ist nun ein zentrales und wichtiges Gebäude in der historischen Altstadt von Angermünde nach vielen Jahren wieder für Gäste da. 

Über 300 Jahre alt ist das Gebäude. In seiner langen Geschichte war es Gasthaus, Hotel und Kino – noch heute haben viele Angermünder Erinnerungen an das Haus. 

Nun finden hier die Tourist-Information und das Museum Angermünde, ehemals Ehm Welk- und Heimatmuseum in der Puschkinallee 10, mit seinem gesamten Depot eine gemeinsame Herberge direkt am Marktplatz. 

Geschichte des Hauses

Die Häuser am „Hohen Steinweg“ Nr. 17 und 18 entstanden in den Jahren zwischen 1692 und 1695. Der „Steinweg“ verdankt seinen Namen wahrscheinlich dem Umstand, dass er die erste gepflasterte Straße der Stadt gewesen ist. So weist der Name auf gehobenes Bürgertum, das hier am Markt der Stadt seine Häuser hatte.

An den Grundstücken haftete das Recht, Bier brauen zu dürfen. Das Getränk durfte an bestimmten Tagen auch ausgeschenkt werden. Direkt am Markt war dies sicher ein einträgliches Geschäft. So wundert es nicht, dass das Haus Nr. 17 seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gänzlich als Gasthaus „Goldener Adler“ genutzt wurde. Nach 1870 wurde es als „Hotel Reichshalle“ geführt. Aus dieser Zeit stammen die Schablonenmalereinen im Eingang des Hauses, die bis heute erhalten geblieben sind.

Noch vor 1900 wurden die Grundstücke der Häuser Nr. 17 und Nr. 18 vereinigt. 1896 bekam das Hotel einen Saalbau für Tanzveranstaltungen. Hier fanden im Jahre 1911 die ersten Kinoveranstaltungen in Angermünde statt. Gut zwei Jahrzehnte später, 1935, erhielt die Stadt auf der Fläche des Grundstücks Nr. 18 einen neuen Kinosaal (Bild oben: Kinoeingang 1972)

Als HO-Gaststätte „Haus Uckermark“ nach 1949 weitergeführt, ist der Bau im Herzen der Stadt bis heute vielen Einheimischen noch gut bekannt. Mancher erhielt hier Unterricht in Sport, denn aus dem Saalbau war eine Turnhalle geworden. Seit etwa 1992 stand der Bau leer, vom alten Saal blieb nach einem Brand nicht mehr viel übrig.

Reichshalle, um 1920

Baulicher Zustand vor Beginn der Sanierungs- und Umbauarbeiten

Beide Gebäude standen seit den 90er Jahren leer. Durch bauliche Schäden im Dach- und Traufbereichen entstand hofseitig ein massiver Hausschwammbefall. Dadurch wurden die Hoffassaden vollständig und die einbindenden Querwände in Teilen zerstört. 

Hoher Steinweg 17/18 vor der Sanierung, 2016

Sanierung und umbau durch die stadt angermünde

2010 wurde das Haus Uckermark im Rahmen einer Zwangsversteigerung durch die Stadt Angermünde erworben. 2012 erfolgte der Grundsatzbeschluss der Stadtverordnetenversammlung zur zukünftigen Nutzung des Objektes. Zu diesem Zeitpunkt wurde es bereits als zukünftiger Sitz des Museums vorgesehen. Auch weitere kulturelle Einrichtungen konnte man sich bereits unter diesem Dach vorstellen.

Zwei Jahre später erfolgte der Beschluss zur weiteren Entwicklung des Hauses auf Grundlage einer Entwurfsplanung. In dieser wurde das Haus Uckermark für das Museum mit Depot, einen multikulturellen Veranstaltungsraum sowie den Tourismusverein mit Tourist-Information geplant.

2015 beschloss die Stadtverordnetenversammlung über das Museumskonzept für den Standortwechsel des damaligen „Ehm Welk- und Heimatmuseum“ in der Puschkinallee 10. Dem Entwurf des Museumskonzeptes ging eine Bürgerbeteiligung voraus. 2016 wurde das ehemalige Kino abgerissen. 2017 begannen die Bauarbeiten. 

Im Rahmen bauvorbereitender Arbeiten wurde eine umfassende thermische Hausschwammbekämpfung vorgenommen. Des Weiteren erfolgte die Erfassung und Dokumentation der restauratorischen Befunde, die in Teilen der Gebäude als Grundlage für die neu erstellten Farbfassungen dienten. 

Die Gesamtkosten für Bau, Außenanlagen und Ausstattung betrugenrund 6,5 Mio. Euro. Die Sanierung des Um- und Anbaus wurde Hilfe des Bundes und des Landes Brandenburg über das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz gefördert. Die Finanzierung der Ausstattung des Hauses konnte mit Hilfe des ELER-Fonds im Rahmen LEADER mit 476.691,00 € sowie durch eine großzügige Spende der Hermann-Reemtsma-Stiftung für das Depot in Höhe von 60.000,00 € gefördert werden.

Video: Bilderdokumentation der Bauarbeiten 2017 bis 2020

Hier finden Sie ein Video, in dem die Sanierungs- und Umbauarbeiten am Haus Uckermark von 2017 bis zur Fertigstellung 2020 dokumentiert wurden. Zu Beginn des Videos werden einige historische Aufnahmen gezeigt, die auch die jüngere Geschichte des Hauses als Kino zeigen. Dann schließen sich Fotoaufnahmen an, die während der Bauarbeiten angefertigt wurden. (Fotos: Ronald Mundzeck, Stadt Angermünde)